Schweizer Pflegeheime rechnen nach BESA oder RAI ab · zwei standardisierte Pflegebedarfs-Systeme, die die Tagespauschale entscheidend beeinflussen. Wie die Einstufung funktioniert, wer sie macht und wie du sie nachvollziehst.
Warum es zwei Systeme gibt
Bis 2010 hatte jeder Kanton sein eigenes Einstufungs-System. Seit der KVG-Reform 2011 sind zwei nationale Systeme dominant:
- BESA · Bewohner-Einstufungs- und Abrechnungs-System, vor allem in der Deutschschweiz verbreitet
- RAI-NH · Resident Assessment Instrument, vor allem in der West- und Südschweiz, zunehmend auch in der Deutschschweiz
Wie die Einstufung funktioniert
Eine ausgebildete Pflegefachperson (Heim oder Spitex) erhebt anhand strukturierter Fragebögen den Pflegebedarf. Beide Systeme ordnen den Bedarf einer Pflegestufe zu (BESA 0–12, RAI 1–12), die wiederum den KVG-Tarif pro Tag bestimmt.
Pflegestufen und KVG-Tarife
Diese Beträge sind das, was die Krankenkasse pro Tag bezahlt. Die kantonale Restfinanzierung deckt zusätzliche Pflegekosten, die nicht über KVG abgerechnet werden.
BESA · Bewohner-Einstufungs- und Abrechnungs-System
BESA wurde von Curaviva (Schweizer Heimverband) entwickelt und ist in der Deutschschweiz am verbreitetsten. Es erfasst:
- Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL) · An- und Auskleiden, Essen, Mobilität
- Behandlungspflege · Wundversorgung, Medikation
- Psychosoziale und kognitive Bedürfnisse
- Umgang mit Demenz und Verhaltensauffälligkeiten
RAI · Resident Assessment Instrument
RAI wurde in den USA entwickelt und ist international standardisiert. Es erfasst rund 300 Items in 18 Kategorien · sehr detailliert, ermöglicht aber bessere Quervergleiche und Qualitätskontrolle.
Welches System bei welchem Heim?
Jedes Heim verwendet entweder BESA oder RAI · die Wahl liegt beim Heim und ist mit dem Kanton abgestimmt. Für dich als Klient/in macht es kaum einen praktischen Unterschied: beide Systeme erreichen ähnliche Stufen-Bewertungen.
Was du als Familie tun kannst
- Bei der Einstufung dabei sein · du kennst den Alltag der pflegebedürftigen Person besser
- Wichtige Verhaltens-Beobachtungen schriftlich dokumentieren
- Bei Veränderung sofort ein Re-Assessment anfordern
- Bei Uneinigkeit Einsprache erheben (binnen 30 Tagen nach Mitteilung)
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Was Familien hier oft wissen wollen.
- Wer zahlt das Pflegeheim?
- Pflegeheim-Kosten verteilen sich auf drei Saeulen: Bewohnerbeitrag (Pension, Hotellerie, Betreuung) traegt der Bewohner aus AHV plus Vermögen, Pflegekosten zahlt die Krankenkasse nach KVG-Tarif (BESA oder RAI Pflegestufe), die Differenz uebernimmt der Wohnsitzkanton oder die Wohnsitzgemeinde als Restfinanzierung. Bei knappen Mitteln greifen Ergänzungsleistungen.
- Was kostet Pflegeheim pro Monat?
- Bewohnerbeitrag (ohne Pflege) typisch CHF 4'500 bis 9'000 pro Monat je Region und Standard. Pflege-Selbstbehalt zusaetzlich maximal CHF 23.00 pro Tag (rund CHF 700/Monat). Abweichungen nach oben in Premium-Einrichtungen, nach unten in subventionierten Kanton-Heimen.
- Was ist der Unterschied BESA vs RAI?
- BESA und RAI sind beide vom Bund anerkannte Pflegestufen-Instrumente, die den Pflegebedarf in 12 Stufen einteilen. BESA wird ueberwiegend in der Deutschschweiz verwendet, RAI in Westschweiz und Tessin. Die Tarif-Wirkung ist gleich - es sind nur unterschiedliche Bemessungssysteme.
- 01Curaviva, BESA Pflegebedarfsabklärung. www.curaviva.ch, abgerufen am 13. Mai 2026.
- 02Q-Sys AG, RAI-System. www.qsys.ch, abgerufen am 13. Mai 2026.
- 03Bundesamt für Gesundheit BAG, Pflegestufen-Einstufung. www.bag.admin.ch, abgerufen am 13. Mai 2026.
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