Markt-Transparenz

Spitex oder Angehörigenpflege: was rechnet sich für die Familie?

Wenn du dich entscheidest, ob du selbst angestellt pflegst oder externe Spitex die Pflege übernimmt, geht es nicht nur um Geld · sondern auch um Beziehung, Belastung und Flexibilität. Eine Entscheidungshilfe.

Verifiziert am 14. Mai 2026·8 Min. Lesezeit
Schweizer Küchentisch für zwei Personen gedeckt mit dunklem Brot, weichem Käse, Marmelade und zwei leeren Teetassen im Morgenlicht

Wenn die Pflegesituation deiner Eltern sich verändert, stellt sich oft die Frage: lassen wir die klassische Spitex kommen oder pflege ich selbst, gegen Stundenlohn? Beides funktioniert in der Schweiz · die wirtschaftliche, zeitliche und emotionale Bilanz ist aber sehr unterschiedlich.

Was die beiden Modelle unterscheidet

Klassische Spitex

Eine ausgebildete Pflegefachperson (FaGe oder Pflegefachfrau/-mann) kommt täglich oder mehrmals pro Woche bei den Eltern vorbei, übernimmt Grund- und Behandlungspflege gemäss ärztlicher Verordnung, rechnet direkt mit der Krankenkasse ab.

Angehörigenpflege

Du selbst (oder eine andere Angehörige) wirst über einen Anbieter wie Pflegewegweiser, Caritas, Solicare angestellt, absolvierst einen Pflegehelferkurs SRK und erbringst die Pflege gegen Stundenlohn von CHF 30 bis 38.

Wirtschaftlicher Vergleich

Spitex Selbstbehalt für Patient pro Stundeca. 5–8CHF
Angehörigenpflege Lohn an dich pro Stunde30–38CHF
Angehörigenpflege Marge an Anbieter pro Stunde10–17CHF

Entscheidend ist die Perspektive:

  • Aus Patient-Sicht sind beide Modelle ähnlich teuer · die Krankenkasse zahlt den grossen Teil, ein 10%-Selbstbehalt bleibt.
  • Aus Familien-Sicht ist Angehörigenpflege wirtschaftlich attraktiver · der Stundenlohn fliesst direkt an dich und nicht an eine externe Pflegekraft.

Zeitlicher Vergleich

Spitex

Du bist in der direkten Pflege nicht eingebunden · die Spitex kommt, macht ihre Arbeit, geht. Du bist trotzdem oft involviert in Koordination, Begleitung zu Arztterminen, Hauswirtschaft, soziale Begleitung.

Angehörigenpflege

Du bist die Pflegekraft. Das bindet typisch 3 bis 5 Stunden täglich, plus die nicht abrechenbare Hauswirtschaft und Begleitung. Reduziert deine Möglichkeit für Vollzeit-Beruf · ist aber kompensiert durch deinen Pflegelohn.

Was qualitativ besser ist

Hier gibt es keine pauschale Antwort. Vorteile der klassischen Spitex:

  • Pflegefachperson mit umfangreicher Ausbildung
  • Auch Behandlungspflege möglich (Wunden, Medikamente, Sondennahrung)
  • Du bleibst Tochter/Sohn statt Pflegekraft · weniger Rollen-Konflikt
  • Bei Krankheit von dir kein Pflege-Ausfall

Vorteile der Angehörigenpflege:

  • Beziehungs-Kontinuität · du kennst deine Eltern
  • Flexibilität in Zeit und Tagesgestaltung
  • Vertrauen, weniger Eingewöhnung
  • Wirtschaftlich sinnvoll, wenn du ohnehin Zeit investierst

Mischmodell · oft die beste Antwort

In der Realität ist die Trennung "entweder Spitex, oder du" selten. Häufig ist die beste Lösung eine Kombination:

  • Du übernimmst Grundpflege (Cat. C) als angestellte Angehörige
  • Spitex-FaGe kommt 2 bis 3 mal pro Woche für Behandlungspflege (Cat. B, Wunden, Medikamente)
  • Hauswirtschaft über Pro Senectute oder lokale Anbieter
  • Hilflosenentschädigung deckt was übrig bleibt

So nutzt du die Vorteile beider Modelle, ohne dich zu überfordern.

Drei Lebenssituationen · drei sinnvolle Antworten

Du bist 100% berufstätig

Klassische Spitex ist meist die richtige Wahl. Angehörigenpflege im Umfang von 3+ Stunden täglich ist mit Vollzeit-Job kaum vereinbar. Reduziertes Pensum (60 bis 80%) plus Angehörigenpflege ist eine Option, wenn finanziell machbar.

Du bist Teilzeit oder pensioniert

Angehörigenpflege ist oft der wirtschaftlich und emotional beste Weg. Du investierst die Zeit ohnehin · der Stundenlohn ist ein relevanter zusätzlicher Einkommensbeitrag.

Pflegebedarf ist medizinisch komplex

Behandlungspflege durch Spitex-Fachpersonen ist nicht ersetzbar. Du kannst trotzdem als Angehörige für Grundpflege angestellt sein und die Spitex ergänzend kommen lassen.

Wie du den Sprung machst

Wenn du dich für Angehörigenpflege entscheidest:

  1. Anbieter wählen · Quiz nutzen oder Verzeichnis
  2. Pflegehelferkurs starten (vom Anbieter oft übernommen)
  3. Mit dem Anbieter Pflegeplan und Krankenkassen-Verordnung organisieren
  4. Bestehende Spitex-Verbindung anpassen oder reduzieren
Häufige Fragen

Was Familien hier oft wissen wollen.

Worauf basieren diese Marktdaten?
Auf publizierten Anbieter-Tarifen, KVG-Verordnungen und unabhaengiger Schweizer Berichterstattung. Quellen mit Abruf-Datum am Ende des Artikels. Wenn du dich entscheidest, ob du selbst angestellt pflegst oder externe Spitex die Pflege übernimmt, geht es nicht nur um Geld · sondern auch um Beziehung, Belastung und Flexibilität. Eine Entscheidun
Wie hoch ist die Marge der Anbieter?
Die Marge zwischen KVG-Tarif (CHF 52.60/h fuer Grundpflege durch Angehoerige) und ausgezahltem Bruttolohn liegt typisch zwischen CHF 14 und CHF 22 pro Stunde. Davon werden Sozialversicherungsbeitraege (rund 15.5%), Care-Management und Verwaltung gedeckt - der verbleibende Anbieter-Gewinn variiert deutlich.
Quellen
  1. 01Spitex Schweiz, Statistik 2024. www.spitex.ch, abgerufen am 14. Mai 2026.
  2. 02Bundesamt für Gesundheit BAG, Pflegeversorgung. www.bag.admin.ch, abgerufen am 14. Mai 2026.
  3. 03Bundesamt für Statistik, Sozialmedizinische Statistik. www.bfs.admin.ch, abgerufen am 14. Mai 2026.

Dieser Artikel ist redaktioneller Inhalt und keine Rechts oder Steuerberatung. Bei verbindlichen Fragen wende dich an deine Anstellungsfirma, deine Pro-Senectute-Beratungsstelle oder einen Fachanwalt.

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